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René Scheu und Bassam Tibi in der NZZ: Die Barbaren berufen sich auf Adorno

„Die Barbaren, sie lauern überall – auch der Antirassismus taugt zum Rassismus“ titelte René Scheu am 28.10.2017, seines Zeichens Chefredaktor des Feuilletons der Zürcher NZZ und in dieser Funktion kausal mitverantwortlich für das „Klima der untergründigen Angst“, welches dort seit einiger Zeit das Arbeitsverhältnis prägt (WoZ vom 12.10.2017). In seinem ummauerten Gärtchen simulierte er kürzlich eine intellektuelle Debatte, welche über die zu dem Zwecke logisch notwendige handzahme Replik von Dieter Thomä, „Was ist das Erbe der Aufklärung?“, in der umfassenden Bestätigung von Scheus Weltanschauung gipfelte durch den notorischen „Adorno-Schüler“ Bassam Tibi, welcher „über das merkwürdige Bündnis von Progressiven und Islamisten“ einmal mehr öffentlich schwadronieren durfte.

Um die Sache von hinten aufzurollen zunächst dieser Satz aus dem WoZ-Artikel zum Hintergrund des gegenwärtigen journalistischen Arbeitsklimas bei der NZZ: „Die Gefahr stand im Raum, dass die rechtspopulistische Medienoffensive der Milliardäre Tito Tettamanti und Christoph Blocher nach der «Weltwoche» und der «Basler Zeitung» auch die «Neue Zürcher Zeitung» erreichen könnte: wenn nicht über die Aktien, dann über die Köpfe.“

Die rechtspopulistische „Basler Zeitung“ ist bazonline.ch – in diesem Kontext die sehr professionell SEO („search engine optimized“) Google-Top-Ergebnisseite zu Bassam Tibi, zumindest in der Schweiz:

Bassam Tibi

…und darüber gleich zum Kulminationspunkt von Tibis Argumentation:

„Die «Progressiven» sind in der Tat kulturrelativistisch und postmodern; sie ersetzen das individuelle «Subjektivitätsprinzip» (Habermas) durch Minderheitenrechte. Setzte sich diese Haltung durch, würde dies das Ende von Europa als Kontinent der Aufklärung und als «Insel der Freiheit in einem Ozean der Gewaltherrschaft» (Horkheimer) bedeuten.“

Tibi gibt die Quelle des Horkheimer zugeschriebenen Zitats nicht an, Ofenschlot hatte vor einiger Zeit in seinem Blog-Beitrag „Der alte Mann und der Krieg“ eindrücklich belegt, auf welchen Horkheimer der hochdekorierte Adorno-Schüler Tibi sich beruft:

„Ganz Asien würde chinesisch werden. Aber die Intellektuellen sehen nur das Grauen dieses Krieges, die unglücklichen Vietnamesen, die scorched earth policy [Verbrannte Erde. Es ist ein pikantes Detail, dass Horkheimer resp. sein Chronist auf den englischen Ausdruck ausweicht, um bloß keine Wehrmachts-Assoziation aufkommen zu lassen? Anm. Ofenschlot] der amerikanischen Kriegsführung. Was sie nicht sehen, ist die Hölle einer chinesischen Weltherrschaft.“ (Gesammelte Schriften Bd.18, Frankfurt 1996, S. 646f.)

„Wenn in Amerika es gilt, einen Krieg zu führen – und nun hören Sie wohl zu – einen Krieg zu führen, so ist es nicht so sehr die Verteidigung des Vaterlandes, sondern es ist im Grunde die Verteidigung der Verfassung, die Verteidigung der Menschenrechte, und Sie können heute sagen: ja, und was passiert denn da in Vietnam? Sie können mit Recht all das Furchtbare darstellen – wenn Sie es können – was in Vietnam sich ereignet. Aber diese jungen Menschen, die da hinausgehen, glauben, sie verteidigen die Welt, in der es noch ein bißchen so etwas wie Freiheit gibt, gegen das Gegenteil, selbst wenn man dazu auch totalitäre Mächte leider benutzen muß.“ (Antwortschreiben Horkheimer vom 18.5. 1967 an den Frankfurter SDS)

Das also ist Bassam Tibis Horkheimer. Natürlich könnte man sich lustig machen über den öffentlich zur Schau gestellten Primitivismus von jemdandem, der sich in symbolischem Ahnenkult vor dem Schrein bzw. säkular „vor dem Schreibtisch von Theodor W. Adorno an der Goethe-Universität in Frankfurt fotografieren“ lässt, in jovial herablassender Pose des hochdekorierten Intellektuellen, laut Wikipedia Träger des „Bundesverdienstkreuz erster Klasse“ und des „Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Besinnung“, kurz: Deutscher als Deutsch. Natürlich ist es absolut lächerlich, wenn er sich in dieser objektiv obrigkeitsdeutschen sozialen Position geriert als „ein gelbhäutiger muslimischer Westasiate aus Damaskus“, der sich über irrationale „Dritte-Welt-Propheten“ (sic) mokiert.

Doch das trifft den Kern der Sache nicht. Tibi dekliniert den Kalauer „Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.“ folgendermassen: „In meinen jungen Jahren als linker Student in Frankfurt und aktiver 68er habe ich selbst den «tiers-mondisme» von Frantz Fanon vertreten und sass als «Progressiver» im Beirat der damals einflussreichsten marxistischen Berliner Zeitschrift «Das Argument». Schon damals wehrte ich mich allerdings gegen die im Gedeihen befindliche Verherrlichung des Fremden, die auf der Umkehrung der Verteufelung des Fremden, nicht aber auf deren Überwindung basiert.“ (NZZ a.a.O.)

Die grammatische Vergangenheitsform in Sachen Frantz Fanon ist nämlich nicht nur intellektuell unredlich, sie ist eine glatte Lüge, liefert Frantz Fanon doch den Schlüssel zum Verständnis von Tibis gegenwärtigem Wirken: Er hat sowohl „Scharze Haut, weisse Masken“ wie auch „die Verdammten dieser Erde“ grundsätzlich nicht verstanden und gleichzeitig zutiefst verinnerlicht. Seine idiomatische Deutsche Farbenlehre zu Syrer*n, mit der er kokettiert, liest sich bei Fanon so:

„Im Übrigen, fügen sie hinzu, sprechen wir den Schwarzen keineswegs jeden Wert ab, aber wissen Sie, es ist besser, wenn man weiss ist. Kürzlich unterhielten wir uns mit einer von ihnen. Als ihr die Puste ausging, warf sie uns an den Kopf: «Übrigens pocht Césaire nur deshalb so auf seine schwarze Hautfarbe, weil er sie wirklich als Fluch empfindet. Pochen etwa die Weissen auf die ihre? In jedem von uns steckt ein weisses Potential, manche wolle nichts davon wissen oder kehren es einfach um. Ich persönlich würde im keinen Preis der Welt einen Neger heiraten.»“ (Fanon: Schwarze Haut, weisse Masken: 42).

„Es liegt auf der Hand – und ich werde nicht müde, es zu wiederholen – dass der Anstrengung des Arztes aus Guadeloupe, seine Entfremdung aufzuheben, wesentlich andere Motive zugrunde liegen als der des Negers, der am Bau des Hafens von Abidjan mitarbeitet. Beim Ersteren ist die Entfremdung fast intellektueller Art. Insofern er die europäische Kultur als ein Mittel begreift, sich von seiner Rasse zu lösen, setzt er sich als Entfremdeter. Der Letztere tut dies, insofern ein Opfer eines Regimes ist, das auf der Ausbeutung einer bestimmten Rasse durch eine andere beruht, auf der Verachtung einer bestimmten Menschheit durch eine Form der Zivilisation, die als überlegen gilt.“ (Fanon: Schwarze Haut, weisse Masken: 169).

Bassam Tibi hat in seinem Leben in der durch und durch rassistischen bürgerlichen Deutschen Bildungselite daraus die doppelte Konsequenz gezogen, dass er sich zunächst die Deutsch-“europäische Kultur“ karikaturesk über-aneignen muss, das aber bei weitem nicht genügt: Zusätzlich muss er sich öffentlichkeitswirksam zum Komplizen eines Regimes machen, das auf der gewaltsamen Ausbeutung einer bestimmten Rasse (Horkheimers „Ozean der Gewaltherrschaft“) durch eine andere beruht (Horkheimers „Insel der Freiheit“).

Darin gründet sein tatkräftiges Engagement für den europäischen nationalistischen Rechtspopulismus bei Zeitungen wie BaZ, NZZ oder auch online beim Rechtsaussen-Blog „Achse des Guten“, daher ist ihm die unter Historikern unbestrittene Wahrheit undenkbar, dass Horkheimers „Ozean der Gewaltherrschaft“ seine kausale Ursache grossteils in der selbstproklamierten „Insel der Freiheit“ hat, von den Kolonialkriegen des 19. Jh. über die beiden von Deutschland und dessen Leitkultur kausal verursachten Weltkriege, den Algerienkrieg, den Vietnamkrieg, die Golfkriege, der Libyenkrieg, usw. usf. Bei Fanon liest sich das von Tibi im Sinne der „cultural appropriation“ enteignete und ins Europäisch-Deutschnationale umgekehrte Argument für die Nation so:

„Die Verantwortung des kolonisierten Intellektuellen ist keine Verantwortung gegenüber der nationalen Kultur, sondern eine allgemeine Verantwortung gegenüber der ganzen Nation, von der die Kultur letztlich nur ein Aspekt ist. Der kolonisierte Intellektuelle darf sich nicht damit beschäftigen, sich die Ebene seines Kampfes auszusuchen, den Sektor, in dem er den nationalen Kampf zu führen gedenkt. Sich für die nationale Kultur schlagen, heisst zunächst, sich für die Befreiung der Nation, der materiellen Stammutter schlagen, durch die die Kultur erst möglich wird“. (Fanon: Die verdammten dieser Erde: 178)

Das ist, pervertiert angeeignet von den Deutschnationalen, das politische Programm der Achse des Guten, der Bassam Tibi mit seiner Leitkultur tatkräftig zuarbeitet. Er hat seinen Fanon schon gelesen… Die Kritische Theorie ist mittels der Negation des Negativen in Adornos Negativer Dialektik endgültig in Deutschland bzw. Deutsch-Europa angekommen. Doch ohne Negation bleibt davon nur der klassische Deutschnationale Rechts-Hegelianismus mit den bekannten Folgen.

Der Faschismus in statu nascendi beruft heute auf Adorno sich.

Quellen

Die Angst geht um an der Falkenstrasse, WoZ, 12.10.2017
https://www.woz.ch/1741/nzz/die-angst-geht-um-an-der-falkenstrasse

René Scheu, Die Barbaren, sie lauern überall, NZZ, 28.10.2017
https://www.nzz.ch/feuilleton/die-barbaren-sie-lauern-ueberall-ld.1324642

Dieter Thomä, Was ist das Erbe der Aufklärung?, NZZ, 3.11.2017
https://www.nzz.ch/feuilleton/was-ist-das-erbe-der-aufklaerung-ld.1325909

Bassam Tibi, Aufklärung und Kulturrelativismus vertragen sich nicht, NZZ, 22.11.2017
https://www.nzz.ch/feuilleton/aufklaerung-und-relativismus-vertragen-sich-nicht-ld.1330627

Ofenschlot: Der alte Mann und der Krieg
http://ofenschlot.blogsport.de/2010/07/26/der-alter-mann-und-der-krieg/

Fanon, Frantz: Schwarze Haut, weisse Masken. Tunia + Kant, Wien 2013, 2016.

Fanon, Frantz: Die Verdammten dieser Erde. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966, 2008.

Lydia Platón Lázaro: Defiant Itineraries – zu Katherine Dunham und Maya Deren

„Trotzige Reisewege“ zweier Frauen, welche die US-amerikanische und europäische Moderne in Tanz und Film mit geprägt haben – von Platón Lázaro erklärtermassen und immanent notwendig aus zirkumatlantischer Perspektive beschrieben, denn die in Deutschland zumal für Adorno-Zitierer (aka Antideutsche) akademisch zwingend vorgeschriebene transatlantische Weltanschauung als die einzig Moderne reproduziert immanent notwendig das Unwahre. In den Worten von Lowell Fiet (Universität von Puerto Rico): „What fascinates about Defiant Itineraries is the deconstructive mediation and transformation of the normative ideology of colonial domination with its resultant cultural practices that invent the encased and categorized subject, the exotic Other. Underneath all else, Defiant Itineraries does more than trace the development of modern dance and film forms from fieldwork experiences in Haiti to the professional stage and the cult film archive. It asks, what can Haiti teach us? What should we be learning from the richness of Haitian – and Caribbean – culture?“ (Rückseitentext).

Platón Lázaro lehrt an der Universität von Río Piedras in Puerto Rico. Aus hiesiger Sicht erstaunt nur schon die entspannte Selbstverständlichkeit, mit der sie das, was in Deutschland als Critical Whiteness (pejorativ CW wie Chlor-Wasserstoff) von allen Seiten erbittert bekämpft wird, als universalen wissenschaftlichen Stand der Erkenntnis ganz einfach voraussetzt. Nicht als die andere Moderne, auch nicht als die Postmoderne, sondern einfach als die universale eine Moderne, die ohne Haiti undenkbar ist. Eine Moderne, die nicht arrogant auf der Globuskugel hockend von oben auf die karibischen Inseln herabsieht und ihnen die Schuhsolen zeigt, sondern neugierig von einem der vielen, vielen Rändern des als rund („zirkum“) gedachten Atlantiks aus für einmal dorthin hinaufsieht und respektvoll von dort lernt. Und das nicht im Sinne einer normativen utopischen Zukunftsperspektive, sondern als historische Analyse dessen, was im Modern Dance und im künstlerischen Avantgardefilm tatsächlich passiert ist, seither aber vergessen gemacht wurde.

Die „Dunham Technique“ ist bis heute Bestandteil der Ausbildung im zeitgenössischen Modern Dance, auch wenn die durch Martha Graham begründete „Graham Technique“ hierzulande in den Jazztanzschulen bekannter ist. „She [Dunham] proposes the idea of a shared past that ties the histories of the United States and the Caribbean together, both before and during, the imperialist incursions of the former into the latter. Maya Deren, on the other hand, proposes the notion of a possible erasure of difference through the perspective of a ritual aesthetic. Her films and „experimental“ outlook address the body and the gaze in a different language that questions markings of race, gender, and class in cinema.“ (S. 9)

Deren und Dunham – beide waren nicht wirklich akademisch sozialisiert, sondern primär Künstlerinnen, doch beide schrieben wissenschaftliche ethnographische Bücher. Beide machten in den 30er und 40er Jahren Forschungsreisen von den USA nach Haiti, inmitten des goldenen Zeitalters des Tourismus nach der bis heute nachwirkenden desaströsen US-Okkupation 1915-1934 durch die rassistischsten US-Marines, welche in den damals segregierten US-Südstaaten grad aufzutreiben waren. Nach der kollektiven Erfahrung dieser Hölle eine optimistische Zeit: „A Washington Post headline from 1936 states: „Haiti Today: The ‚Black Republic‘ is Making Progress.“ The word progress conjures the mixed emotions stirred by modernity in the Americas because it refers to the opposition of civilization and savagery in the light of imperial and colonial practices upon subjects. And yet, as the newspaper article reveals, progress in Haiti 1936 also referred to the excitement of change, transition, and potential stability after political turmoil.“ (S. 69) Beide waren als Teil der damaligen künstlerischen Avantgarde professionell des kommunikativen Handeln des Tanzens, der körperlichen Performance mächtig, und beide liessen sich rituell initiieren in das philosophische System des Haitianischen Vodou, erst seit Aristide im 21. Jh. auch formell eine der Staatsreligionen Haitis. Und beide haben dabei eben gerade nicht den Verstand verloren, sondern in einem kosmopolitischen Sinne erst wirklich gewonnen.

Von einem Ort immaterielle Güter zu nehmen, zu transformieren und an einem anderen Ort in den Kapitalkreislauf einzuspeisen ist zunächst mal einfach kulturelle Appropriation. Doch diese Gleichung enthält Variablen: Die Transformation kann mehr oder weniger appropriativ sein, Elvis Presleys Appropriation Schwarzer Musik als vorgeblich genuin innovativer Weisser Musik mag das eine Extrem illustrieren. Entsprechend wurde vor allem Maya Deren auch kritisiert: „Whereas Dunham has been explicitly identified with the Caribbean aesthetics she proposed and participated in, Maya Deren has been more often interpreted as following the modernist’s route of borrowing from premodern cultures, an interpretation she openly opposed in her own theoretical writing.“ (S. 29) Denn Deren selbst reflektierte die Geschichte ihres Haiti-Projekts gerade als Geschichte des Scheiterns ihres zunächst durchaus appropriativ geplanten Projekts: „Also among my papers was a carefully conceived plan for a film in which Haitian dance, as purely a dance form, would be combined (in montage principle) with various non-Haitian elements. I recite all these facts because they are evidence of a concrete, defined film project undertaken by one who was acknowledged as a resolute and even stubbornly willful individual.“ (Deren: 5) „I had begun as an artist, as one who would manipulate the elements of a reality into a work of art in the image of my creative integrity; I end by recording, as humbly and accurately as I can, the logics of a reality which had forced me to recognize its integrity, and to abandon my manipulations.“ (Deren: 6) Aus diesem Grunde nicht ganz zufällig kann der Vorwurf der kulturellen Appropriation an die Weisse Deren auch als unbeteiligte Aussensicht gesehen werden, wird ihr Buch doch in der Karibik selbst anscheinend gerne gelesen: „The book, Divine Horsemen: The Living Gods of Haiti (1953) was received with mixed reviews, but it is still considered an important contribution to the study of Vodou, particularly by those located in the Caribbean.“ (S. 41)

Die in der hegemonialen Lehre mit Lévi-Strauss assoziierte epistemologische Methode des Strukturalismus begibt sich selbst der Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis dessen, was hier erläutert werden soll. Ein Soziologie-Professor dozierte mir im Gespräch in Sachen Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit seinerseits in einer Abhängigkeitssituation meinerseits, die Erforschung der Primitiven (ich war mitgemeint) wäre erstaunlich einfach: Sei ihr Symbolsystem einmal entschlüsselt, funktioniere dieses immer nach ganz einfachen Regeln, und damit seien diese primitiven Kulturen wissenschaftlich abschliessend verstanden. Insofern könnten Platón Lázaro, Dunham und Deren (wie auch Beliso-De Jesús) rein ex negativo dem von den eingangs erwähnten Adorno-Zitierer*n erbittert bekämpften Poststrukturalismus zugeordnet werden, denn sie alle fundieren Erkenntnis auch auf dem sich bewegenden, tanzenden menschlichen Körper als „dance as text“ (S.85), als einer Primärquelle, die eben gerade nicht im Symbolischen aufgeht, aber eben auch nicht nur körperlich bleibt, sondern als überschiessendes Moment weit über sich hinausweist, namentlich ins Herz des Symbolischen selbst, als Kafkas „Axt für das gefrorene Meer in uns.“

Dunham war zur Zeit ihres Master-Studiums in Anthropologie an der Universität von Chicago mit mehreren geschlossenen symbolischen Repräsentationssystemen zu Haiti konfrontiert, innerhalb von Haiti selbst basiert auf Differenzen von Klasse und Hautfarbe, wie sie im verbreiteten Haitianischen Sprichwort „Milat pòv se nèg, nèg rich se milat.“ dekonstruiert wird, ungefähr sinngemäss übersetzt als: „Ein* arme* Weisse* ist ein* Schwarze*, ein* reiche* Schwarze* ist ein* Weisse*.“ – die soziale Klasse macht die soziale Rasse. In den USA war das geschlossene Repräsentationssystem während der US-Besatzungszeit basiert auf impressionistischen Reiseberichten, welche in Literatur und Film die noch heute gängigen rassistischen Stereotypen mit Voodoo, Zombies, Sex und Magie pflegten – und die strukturalistische Anthropologie ihrer Zeit hatte dem nichts entgegenzusetzen, denn sie präsentierte sich selbst als geschlossenes Repräsentationssystem: „So her [Dunhams] subjectivity attempts to open a closed system of representation in Haiti based on class and color differences. Simultaneously, it opens the realm of anthropology, a field represented mostly by white males in that era, who considered dance inappropriate for scholarly endeavors. Dunham’s project can be viewed as a counterdiscourse to both of these closed systems of representations.“ (S. 70)

Platón Lázaro hebt hervor, wie Deren und Dunham mittels des Tanzes, der Performance diese geschlossenen Repräsentationssysteme ihrer Zeit durchbrachen: „The use of the body of the ethnographer becomes a tool for theory making from a different perspective – not only being in the field but also literally taking the field with them in the performances enacted by the body. This provokes a number of questions about ethnography, anthropology, dance, and film theory. As Trin T. Min-Ha states about the border between ethnographic film and anthropology, „To raise the question of representing the ‚Other‘ is therefore to reopen endlessly the fundamental issue of science and art; documentary and fiction; universal and personal; objectivity and subjectivity; masculine and feminine; outsider and insider“. The combination of artistic practice and formal writing challenges how these disciplines were conceived between the 1930s and 1950s. As will be shown in this study, Dunham and Deren can be credited for yet another transformation in altering the power structure of the representation of Others by becoming outsider-insiders in the complex semantics of Haitian Vodou, They incarnate a place of privileged observation that ultimately denotes alternative ways to empower resistance.“ (S. 15)

Und diese „Semantik des Haitianischen Vodou“ sperrt sich im kantianischen Sinne a priori gegen Ferdinand de Saussures strukturalistische Trennung a priori von Syntax und Semantik, Zeichen und Bedeutung, wenn ritueller Tanz, ein zentraler Bestandteil des Systems des Vodou, als Syntax verstanden werden soll. Dieser Tanz funktioniert eben nicht wie etwa die moderne Gebärdensprache, welche auch nur für Laien quasi-onomatopoetisch zu sein scheint. Platón Lázaro erklärt die Differenz anhand des hierzulande seit Jahrhunderten pathologisierten Phänomens der Besessenheit, also der Übernahme der motorischen Kontrolle des Körpers durch einen Geist, der nicht der eigene ist: „Even within a codified system of worship like Vodou, the centrality of possession – aside from creating asymmetry in the relationship of observant-observed – also subverts the logic of European dance, in which previously codified movements rule the outcome of the performance, and defines the relationship of the individual with the dance in a product-oriented goal. The „dispossessed“ body of Vodou makes for a very particular body politics, as Deren points out: „In Voudoun the cosmic drama of man consists not of a dualism, a conflict of the irreconcilable down/pull of flesh and the up/pull of spirit; it is, rather, an almost organic dynamic, a process by which all that which characterizes divinity – intelligence, power, energy, authority, wisdom – evolves out of the flesh itself. Instead of being eternally separated, the substance and the spirit of man are eternally and mutually committed: the flesh to the divinity within it and the divinity to the flesh of its origin“ (Divine Horsemen 27).“ (S. 66)

Platón Lázaro insistiert auf dem Tanz als kinästhetische historische Erinnerung: „memory, history, and the body come together in the performances of the circum-Atlantic world.“ (S. 81) Diese wurde für Dunham und auch für Deren erst als teilnehmende Beobachterinnen überhaupt zugänglich. „Aschenbrenner describes the Dunham phenomenon by underlining that anthropologists „learn through all senses and kinesthetically, through their bodies, as whole beings. Dunham has shown that in the Voudun dances, the entire body, as well as material objects, signifies, and all senses – sight, sound, touch, and smell – receive messages. Her accounts quiver with her sensuous responses: sights, but also smells, tastes, sounds, and somatic and kinetic experiences“. (S. 83) „The external representation of vodun is in dance.“ (zit. Dunham, S. 85)

Unter den diasporischen Afrikanischen Religionen ist das Insistieren auf der historischen Erinnerung im regleman nachgerade ein mit der im Jahre 1804 frühen Haitianischen Selbständigkeit verbundenes Alleinstellungsmerkmal, wie die aus dem Kanadischen TV bekannte exilhaitianische Mambo La Belle Deesse Dereale in Abgrenzung zum Brasilianischen Candomble selbst betont: „In Haiti, we serve more than 21 nations, in Brazil, they only serve one particular spirit, and you can chose which to serve. Once we‘re chosen, we serve all of them – Black, Hispanic, English, Latin.“ Jeder dieser 21 „Nationen“ entsprechen im regleman spezifische Gesänge, Rhythmen und Tänze, die untereinander genausowenig austauschbar sind wie etwa in christlichen Kirchen zu Ostern programmierte Weihnachtslieder deplatziert wirkten. Ihr Englisches „nations“ ist eine Übersetzung des kreyòlischen nanchon bzw. nasyon, welches nicht im geografischen Sinne moderne Nationen bezeichnet, sondern ein spezifisch historisierender Begriff ist – nach Benjamin Hebblethwaite zu verstehen wie schon zitiert im Beitrag zur Ästhetik der „Diasporadical Trilogía“ von Blitz the Ambassador: „Nation; a grouping, based on ethnic origins of Vodou lwa. Ibo, Rada, Nago, Kongo are examples of nanchon in Vodou. The nanchon also correspond to Vodou rites. In the colonial period, many West African nations were forced into slavery by African handlers, French slave traders, and colonialists in Saint-Domingue. In that context, nation-based Vodou emerged in many parts of Saint-Domingue. Today the term does not have a strong political or geographical meaning, even if some of the names of Vodou nanchon have ethnic and geographical etymologies.“ (Hebblethwaite: 269)

Diese historischen Erinnerung beinhaltet also auch das Vergessen, die getanzte Erinnerung ist notwendig unvollständig. Zirkumatlantische Performance ist nach Joseph Roach „a monumental study in the pleasures and torments of incomplete forgetting“ (S. 81). Dieses „unvollständige Vergessen“ eröffnet aber gerade Raum für Innovation durch Imagination: „For Roach, kinesthetic imagination remains „in the realm of the virtual“ because it refers to a place where „imagination and memory converge“, which he then compares to the quality of dance of „expressing the unthinkable“. (S. 83). Dieses „Undenkbare“, dieses „continuum of the sacred an the secular, myth and history, memory and invention particular to Caribbean aesthetics of performance“ (S. 2) in etwas Denkbares zu verwandeln, ist Maya Deren wie Katherine Dunham auf je eigene Weise historisch gelungen, was Lydia Platón Lázaro gegenwärtig überzeugend nachweist.

Doch dieses denkbare Undenkbare lässt sich nicht einfach wieder verdinglichen, bzw. wird es verdinglicht, hört es auf, zu existieren. Frei nach Goethes Faust: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen“. Als Voraussetzung muss schon etwas von dem subjektiv und körperlich angenommen werden, was Platón Lázaro von Brenda Dixon Gottschild als Afrikaniesche Ästhetik und Perspektive zitiert, „an overall polyphonic feel to the dance/dancing body (encompassing a democratic equality of body parts, with the center of energy, focus, and gravity shifting through different body parts – polycentric; as well as different body parts moving to two or more meters or rhythms – polymetric and polyrhythmic); articulation of the separate units of the torso (pelvis, chest, rib cage, buttocks); and a primary value placed on both individual and group improvisation.“ (S. 67)

Ach, hätte Adorno doch nur dazu Zugang sich verschafft, anstatt auf kommodifizierte stampfende Jazzmaschine versus demokratische Zwölftonmusik zu beschränken sich, die Antideutschen könnten niemals ihn zitieren mehr, oh süsse historische Imagination… Aber auf Costa Rica gibt’s keine Antideutschen, denen De-Identifikation mit dem Deutschen an und für sich gepredigt werden müsste, keine auf eine imaginierte Adorno-Schüler-Dynastie sich berufende universitäre Kritische Theorie, die auf Gedeih und Verderb an die „transatlantische“, ergo US-nationale Perspektive gebunden sich sieht, um den Zugang zu nationalen Fördergeldern nicht postwendend zu verlieren. Die universalhistorisch notwendige zirkumatlantische Perspektive eröffnet dagegen antagonistisch einen Möglichkeitsraum realer Imagination, der als universal und irreduzibel Moderner erst noch zu realisieren ist. Maya Deren und Katherine Dunham haben es vorgemacht:

„The dancer separates from the role of moving object on stage to assume a multiple subjective identity. In some of Dunham’s choreographies, the intention of narrating the African diaspora through the appropriation of Caribbean movement and by storytelling corresponds with Paul Gilroy’s posterior analysis of „the Black Atlantic“ as a „non-traditional tradition, an irreducibly modern, ex-centric, unstable, and asymmetrical cultural ensemble“ (Gilroy 198). In this respect, Dunhams‘ kinesthetic memory creates innovation and change for the dance world by recreating Caribbean history, transforming movement to correspond to the reality of the stage, and the present moment of the spectator. This included the undoing of black/white essentialisms, interracial casting in segregated milieu, the experimental quality of the fusion of the contemporary and the traditional, and the deep respect for the origins of the dances.“ (S. 89)

Literatur

Platón Lázaro, Lydia: Defiant Itineraries. Caribbean Paradigms in American Dance and Film. Palgrave Macmillan, New York 2015

Deren, Maya: Divine Horsemen. The Living Gods of Haiti. McPherson & Company, New York 2004

Hebblethwaite, Benjamin: Vodou Songs in Haitian Creole and English – Chante Vodou an kreyòl aysyen ak angle. Temple University Press, Philadelphia 2012.

Film

Kudlácek, Martina: Im Spiegel der Maya Deren. 2002
http://www.imdb.com/title/tt0284203/
https://www.youtube.com/watch?v=LSw385jxr_Q

Berger, Anne-Marie: Katherine Dunham. 2006
https://www.youtube.com/watch?v=7vyx6ue7K6o

Sénécal, Richard: Katherine et Haïti. 2010
https://www.youtube.com/watch?v=Ag_oPScqjuo

La Belle Deesse Jr BET Interview
https://www.youtube.com/watch?v=u9_OEKawyLY
http://labelledeesse.com

A. M. Beliso-De Jesús: Electric Santería

Racial and Sexual Assemblages of Transnational Religion

„Wissenschaft muss zwei Postulate erfüllen, soll sie nicht zu verheerender Sektiererei verfallen – das der ungetrübten, genau determinierten Beobachtung und das der logischen Ableitung – im strengen Sinne: das der mathematisch-logischen Ableitung.“ (Hubert Fichte: 361)
„Schon hier ergibt sich eine Antinomie: Der Typus der Beschreibung und der Typus des Beschriebenen gehen unkritisch ineinander auf.
Antinomien können nur poetisch ausgedrückt werden.“ (a.a.O: 359)

Elektrischer Heiligenbetrieb

Der auf den ersten Blick etwas reisserisch anmutende Titel „Electric Santería“ – wörtlich „elektrischer Heiligenbetrieb“ – enthält wie ein Hologramm in einem kleinen Schnipsel schon das Ganze des anthropologischen Programms von Beliso-De Jesús: dort, wo dem traditionellen wissenschaftlichen Apparat keine adäquaten Kategorien zur Verfügung stehen, die etablierten Begriffe zu verwenden, mit welchen der Forschungsgegenstand selbst kommuniziert und so Wirklichkeit konstituiert.
In der Soziologie wird dieses empirische Vorgehen als qualitiativ-verstehende empirische Sozialforschung bezeichnet, in Abgrenzung zur hegemonialen quantitativen Methode: Im Unterschied zu deren Vorbild, den Naturwissenschaften, sollen nicht (neukantianisch) analytische Kategorien a priori an den Forschungsgegenstand herangetragen werden, denn dieser „Gegenstand“ ist selbst bereits interpretiert, konstituiert einen inneren Sinnzusammenhang, den es zunächst aus sich selbst heraus zu verstehen gilt.
„Electric Santería“ – beide Begriffe verweisen in der christlich-abendländischen Leitkultur der modernen Wissenschaften schillernd auf etwas Bekanntes, Vertrautes, enthalten aber gleichzeitig etwas Unerkanntes, schlechthin Inkommensurables: „Santería“ ist in Kuba die generalisierende Fremdbezeichnung dessen, was üblicherweise vermittelt durch Hollywood despektierlich als „Voodoo“ bekannt erscheint: Die vertrauten Chromolithographien von katholischen Heiligen-Ikonen maskieren deren tatsächliche Verwendung als Ikonen westafrikanische Orishas (oricha, orisàs, ocha, santos, S.230), wobei eine abstrakte Scheinübersetzung als „Götter“ in einem „archaischen“ polytheistischen System schon inadäquat wäre. Die Selbstbezeichnung für Santería ist „la regla de ocha (the rule of ocha)“ (S. 2)
Der Begriff „elektrisch“ steht bei Beliso-De Jesús auf derselben schillernd-mehrdeutigen Stufe: Als Selbstbezeichnung unter Kubaner*n verweist er auf etwas Bekanntes, auf Elektrizität in Kabeln, DVD-Playern und Flatscreens, gleichzeitig verweist er aber auf das dem westlichen Alltagsverstand Inkommensurable, auf das, was Beliso-De Jesús abstrakt mit der begrifflichen Neuschöpfung „Kopräsenz“ bezeichnet. Schon die Elektrizität selbst hat etwas Unfassliches, da unsichtbar: Bei uns Kuhschweizern ist das elektrische Körpergefühl vielleicht vertrauter als anderswo, jedes Kind hat mit einem Grashalm den Kuhdraht auf der Weide berührt, zunächst vorsichtig nur mit der Spitze des Halms, dann langsam immer näher an den Draht bewegt, bis – tack, tack, tack – der Arm krampft und zu schmerzen beginnt.
Um einer Person, die mit Stacheldraht aufgewachsen ist, den elektrischen Kuhdraht zu erklären, würde ich auf das körperliche Gefühl verweisen, das auftritt beim Anschlagen an eine Tischkante genau mit derjenigen Stelle des Ellenbogens, wo der Nerv freiliegt: Eine Art Schlag aus dem Nichts, beim elektrischen „Schlag“ fehlt jedoch das gleichzeitig überlagernde taktile Gefühl der physischen Tischkante, es ist ein völlig unverwechselbares, ganz spezifisches Körpergefühl, das unzweifelhaft und eindeutig als „elektrisch“ wiedererkennt, wer es schon mal erlebt hat.
Auf die offenbar universale Ähnlichkeit mit der Elektrizität war ich schon vor Beliso-De Jesús selbst gekommen (bzw. umgekehrt via Titel auf das Buch), um Angehörigen gegenüber die auf der Intensivstation als völlig traumatisierend erlebte Berührung einer Kopräsenz plausibel zu machen: „Es ist wie elektrisch.“ – „Also einfach elektrisch?“ – „Nein, ähnlich wie elektrisch, aber ohne physischen Kontakt, einfach durch die Luft, du erkennst es sofort wieder, wenn du es einmal erlebt hast – und es geht nicht einfach weg, du wirst es nicht los, irgendetwas, vielleicht nur die Ahnung davon, bleibt in dir drin.“ Die Kopräsenz liess sich auf verklausulierte Weise sogar bei mir entschuldigen für die Zumutung. Mangels soziokulturellem Eingebettet-Sein hab ich intuitiv bis heute nur einen Umgang damit: Die Kopräsenzen wollen – und verlangen! – einfach nur Anerkennung. Gewährst du ihnen diese, haste Ruhe, und gut is‘ (hoffentlich…): „These influencías, or the energetic experience of copresences, are not always positive. (…) they insist upon recognition.“ (S. 78).

Das Problem wissenschaftlicher Objektivität

Beliso-De Jesús führt den ontologischen Begriff der Kopräsenzen als eine auch und primär körperliche Erfahrung mit diesen Worten ein: „Copresences are Santería ontologies – they are the sensing of a multiplicity of being (and beings joined together) that are felt on the body, engaged with spiritually, experienced through television screens and divination, and expressed in diasporic assemblages. The various oricha, dead spirits (egun), energies of good (iré) or bad (osogbo) that influence practitioners‘ lives are copresences that haunt transnational Santería interactions (…) Kristina Wirtz (2007b, 89) describes these sensations of copresences as „‚little pinches‘: [where] the saint choses the person, then inflicts problems on the person until she gets the point that she must initiate.“ By blurring taken-for-granted realities, copresences create conceptual openings, meddling with the evidence of their previous existence.“ (S. 9) „Anthropology of the body and phenomenological theories of race and sexuality are helpful in decentering particular forms of Cartesian consciousness by shifting elemental awareness and attending to bodies as primary locus of experience.“ (S. 29)
Genausowenig wie es im wissenschaftlichen Diskurs ontologisch zur Disposition steht, ob „es Elektrizität überhaupt gibt“, steht die Seinsqualität von Kopräsenzen in Frage (in ihrem Vortrag verwendet sie den Begriff der Schwarzen Ontologien), hier ausgeführt anhand der von den Praktizierenden selbst verwendeten Terminologie der Elektrizität: „Copresences transform the experience of transnationalism, diaspora and media because the are ontological.“ (S.14) „Practitioners describe how they feel the strength of currents, meaning that the copresences manifest in ranges of their electricity. (…) The curriente espiritual is a „charge“ to the ambient power of ritual spaces, and it connects the practitioners and copresences to each other with bodily tingles, sounds, sensations, and possessions. The power of spiritual currents is also considered to reflect on the spiritual power (aché) of practitioners, whose ultimate goal is to „call“ or „bring down“ copresences. Like electricity, when a spiritual current is „strong“ (fuerte) priests are „shook“ or „mounted“ as if shocked by the power of copresence. Through videos, copresences are similarly stimulated and stimulate.“ (S. 42)
Wer nicht-andernd („othering“) so spricht, macht sich im wissenschaftlichen Betrieb schnell einmal unmöglich. Beliso-De Jesús ist sich der Problematik offenbar aus Erfahrung sehr bewusst und vergleicht die Konstellation mit Rechtswissenschaftlern, deren wissenschaftliche Objektivität auf dem Gebiet der Jurisprudenz auch nicht allein deshalb in Frage gestellt wird, weil sie gegebenenfalls auch als Anwälte tätig sind:
„As an anthropologist born an raised in regla ocha religious practices in the United States, I have been repeatedly asked to define my positionality in relation to my subject. How do I study practice with which I have an intimate and often conflicted relationship? Indeed, religious practitioners are often assumed to be „indoctrinated“, „noncritical“, trying to push religious agendas on to others, or – worse yet – conducting a form of hidden evangelism in their relationship (…). Legal anthropologists who are also lawyers, however, are rarely, if ever, asked to explain whether they have „objective“ neutrality from the culture of the law. Why, then, when it comes to the work of religion, is it so taboo, or even passé for anthropologists to claim intimacy (dare I say belief or commitment?) and relationships with the community in which they work? (…) While anthropologists and social scientists have actively interrogated the multiple truths that form the basis of human interactions and histories of thoughts, there continues to be an underlying and often unstated presumption regarding distance, authority, neutrality, and the pursuit of knowledge that is naturalized within the discipline.“ (S. 25)

Die Wissenschaft selbst ist protestantisch

Das Urteil des ideellen Gesamtadorniten, besser bekannt als die Antideutschen, steht zum Vornherein fest: esoterische Scheisse, also protofaschistisch, also zu vernichten. Der epistemologische Schlüssel zum Verständnis und schliesslich zur Überwindung der Problematik liegt für Beliso-De Jesús in der Erkenntnis, dass die westlich-aufgeklärte Wissenschaftsmethode selbst eine unerkannte, unbewusste, aber sehr spezifische theologische epistemologisch-ontologische Basis hat, nämlich den abrahamitisch-christlichen Protestantismus der Moderne. Dies erläutert sie anhand der Begriffe der Mediation und der Transsubstantiation:
Der Protestantismus kennt im symbolischen Umgang mit dem Transzendentalen programmatisch ausschliesslich den Begriff des Mediums: Das geschrieben Wort der übersetzten Bibel verweist zwar medial auf das Transzendentale, ist aber selbst materiell nicht von anderer Qualität als Enzensbergers sprichwörtliche „Fahrpläne, die sind genauer“ – doch ausschliesslich diese sind intersubjektiver Erkenntnis zugänglich.
Der Katholizismus kennt demgegenüber die vom Protestantismus a priori als Priesterbetrug abgelehnte Transsubstantiation in der heiligen Messe: In der Eucharistiefeier verwandelt sich das Brot materiell in den Leib Christi, der Wein materiell in das Blut Christi. Dieses Ritual war von Beginn an als Etablierung eines Herrschaftsverhältnisses konzipiert, nicht unähnlich dem Containment hochradioaktiven Materials in einem Atomkraftwerk: der Kontakt mit dem Sakralen wird von der Gemeinde weggenommen und in den Händen der hierarchischen, patriarchalen Organisation Katholische Kirche monopolisiert. Ausserhalb kein Geist, ausserhalb keine Radioaktivität – das gemeinsame Ziel von Kirche und Kraftwerksbetreiber.
„Contrary to how it has been poisted in anthropological theories of mediation, where transubstantiation is seen as a simple transfer of substances (the Eucharist process) from the divine to earth, the doctrine of transubstantiation has historically functioned as an institutionalization of spiritual power. (…) Transubstantiation restructured Christ’s transcendental power from the public to the domain of the church.“ (S. 73)
Da der Geist apparatetechnisch nicht mess- und damit nicht objektivierbar, jedoch Wissenschaft und Kirche als soziale Organisationen im europäischen Kontext machtpolitisch kooperieren müssen, betreibt erstere faktisch ebenfalls ein Containment: Was in der Sakristei sich befindet und was damit geschieht, wenn es aktiviert wird, geht die Wissenschaft im Grunde nichts an, so lange es dort drinnen bleibt.
So unähnlich sind sich Katholizismus und Protestantismus also gar nicht: beide Varianten abrahamitischer Religionen exkludieren das Sakrale aus der Wissenschaft, umgekehrt exkommuniziert diese das Sakrale aus der wissenschaftlichen Gemeinde. Subsaharische Religionen demgegenüber haben epistemologisch kein Problem damit, das Sakrale als physische Erfahrung zu ontologisieren und so intersubjektiv zu objektivieren. Genau das ist die Grundlage der anthropologischen Forschung von Beliso-De Jesús. Ist das einmal begriffen, fällt das Verständnis ihres Vortrags an der Colombia Universität (s.U.) viel leichter.
„J. Lorand Matory (2009, 240) asked what would theories of transnationalism and globalization look like that draw equally from the ontologies of „spirit possession religions“ rather than only from „Abrahamitic and karmic religions?“ Electric Santeria has responded to this question. They are forms of nontranscendental transnationalism. Like the „wave-particle“ paradox, which understands the world as intraconnected, Santería relationality does not collapse difference. As I have shown in this book, it is important to not presume that copresence relationality should be uncritically celebrated as an inherently subversive site. My assertion asks us to tune ourselves toward a nonregulatory African diaspora studies to engage the modalities in which diffraction also produces power dynamics relationships,“ (S. 219)

Das Allgemeine ist das Partikulare

- frei nach Adorno und antagonistisch zum Adornitentum. Die allgemein sich gebende wissenschaftliche Anthropologie betreibt performativ spezifisch protestantistisches Christentum, daher das Eingangszitat von Hubert Fichte: „Der Typus der Beschreibung und der Typus des Beschriebenen gehen unkritisch ineinander auf.“ (Fichte: 359) „Die Unmenschlichkeit, die Verachtung des Sprachlichen gehen in den Wissenschaften vom Menschen so weit, dass es Forscher gibt, die, ohne auch nur Portugiesisch zu sprechen, über den brasilianischen Synkretismus arbeiten, die von afrikanischen Geisteskranken publizieren, ohne eine afrikanische Sprache zu beherrschen – oder gar zu verstehen. Da wird der wissenschaftliche Jargon zur Ausdrucksweise des blanken Neokolonialismus. Er verhüllt Zusammenhänge, anstatt sie aufzudecken, er verdrängt seine ideologischen Reflexe, anstatt sie zu reflektieren. (…) Was wird damit bezweckt? Die Entmündigung. Die Entmündigung durch eine Sprache der Wissenschaft. (Fichte: 360)
Für verbildete Akademiker* ist es natürlich eine Zumutung, als ontologische Erkenntnisbasis anerkennen zu sollen, was zu bekämpfen sie ein Leben lang sozial konditioniert wurden – doch „die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ (Ingeborg Bachmann) Das übliche Argument, diese Anerkennung sei notwendig regressiv, repressiv und autoritär, hat Beliso-De Jesús unter Erfüllung von Fichtes beiden Postulaten, „das der ungetrübten, genau determinierten Beobachtung und das der logischen Ableitung“, überzeugend empirisch widerlegt.
Wenn du’s nicht weisst, willst du’s nicht, viel zu verstörend, wie eine Umpolung des Erdmagnetfelds, alles sieht noch aus wie zuvor, dich nichts ist mehr, wie es war: „By allowing us to feel the complexity of agents, to feel how each diffracted circuit forms negotiations and entangled configurations, I suggest Santería spiritual currents implode some of the very basic premises of technological transcendence that has become the norm to think through and in anthropological theories of mediation.“ (S. 78) Aber vielleicht genau deshalb berühren in seltenen Fällen Schwarze Kopräsenzen Weisse – wenn sie es denn für zumutbar und erfolgsversprechend halten, etwas universal Menschliches zu zeigen, etwas, was seit Menschengedenken immer schon da war, aber aus machtpolitischem Kalkül gestohlen wurde, etwas, ohne das auch die europäische Sozial- und Geistesgeschichte nicht zu verstehen ist.

Quellen

Beliso-De Jesús, Aisha M.: Electric Santería: Racial and Sexual Assemblages of Transnational Religion. Columbia University Press, New York, 2015

Beliso-De Jesús, Aisha M.: Vortrag zum Buch, gehalten an der Harvard Divinity School in Cambridge, Massachusetts
www.youtube.com/watch?v=0o8vXh1spns

Fichte, Hubert: Petersilie. Die afroamerikanischen Religionen. Santa Domingo, Venezuela, Miami, Grenada. Fischer, Frankfurt am Main, 1984.

Gallagher, Tina: youtube-Kanal mit Alfredo Calvo (S.214)
www.youtube.com/user/tinamatanzas

Kabiosile, Film- und Musik-Verlag zu geistlicher Afrokubanischer Musik in Matanzas
www.kabiosile.org

Video Feature von Afropop Worldwide: Africa in Matanzas, Cube-El Almacén is walking:
www.afropop.org/28300/video-feature-africa-in-matanzas-cuba-el-almacen-is-walking/

W. D. Wright: Diunitale Kognition

Dass der durch William D. Wright popularisierte Begriff „diunital cognition“ im Deutschen bisher keinerlei Rezeption erfuhr, erstaunt nicht, bezeichnet er doch eine Denklogik, deren Träger von Primarschule bis Universität, auch und gerade im akademisch organisiertem Adornitentum, als Feind bekämpft werden. Besonders tragisch, dass Adorno selbst mit seinem Begriff des Nichtidentischen programmatisch in sorgfältigem darum herum Schreiben eine Leerstelle offen hielt, die inzwischen durch seine akademischen Adepten vollständig zubetoniert wurde. Wright setzt den Begriff der diunitalen Kognition synonym zu Schwarzer Kognition („Black cognition“). Es handelt sich um eine aufgeklärte, im besten Sinne rationale Denklogik, und Wrights Zugang ist weit entfernt von einem andernden „so ticken die Schwarzen halt“ – aber diese Form der Rezeption ist innerhalb des Weissen Kognition („White cognition“) letztlich die einzig Mögliche. Umgekehrt hingegen wird auf dem Boden der diunitalen Kognition die Weisse Kognition erst als ein „so ticken die Weissen halt“ erfass- und erfahrbar. Zum Vergleich: Akademische Kritische Theoretiker* sind institutionell sehr stolz darauf, dass ihre Gründerväter (Horkheimer, Marcuse) im und nach dem Zweiten Weltkrieg im Auftrag des Office of Strategic Services (OSS, dann CIA) dieses „so ticken die Deutschen halt“ als „Feindanalyse“ ausarbeiteten. Die Antideutsche Feindschaft gegen das, was sie als (relativ zu ihnen selbst) Nichtidentisches identifizieren, wurzelt in dieser historisch gewachsenen Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und Militär: Weisse Kognition halt.

Weisse Kognition

Wright identifiziert vier Denklogiken, die Weissen ausschliesslich zur Verfügung stehen (Wright: 60-61), wie ein Taschenrechner mit nur vier Grundrechenarten:

1. Vertikale Kognition („simple vertical cognition“)
2. Dualistische Kognition (dualistic cognition“)
3. Dominanz-Subordinations-Kognition („domination-subordination cognition“)
4. Dialektische Kognition („dialectical cognition“)

Zur Veranschaulichung hier ein eigenes Beispiel, die Zürcher Drogenpolitik seit den Achtzigerjahren:

1. Vertikale Kognition

„The reasoning or analytical logic of this system is directed by ideational and psychological traits to see only incompatibilities, contradictions, or dichotomies in a reality or realities, with the understanding that one of these incompatible, contradictory, or dichotomous elements must go.“ (Wright: 60)
Dafür steht paradigmatisch der Züricher Kantonsarzt Gonzague Kistler: „Als du anfingst hatte Zürich eine extrem repressive Drogenpolitik. Schlimm war, dass der damalige Kantonsarzt Gonzague Kistler die Abgabe von sauberen Spritzen verhinderte, worauf sich der HIV Virus explosionsartig unter den Fixern ausbreitete. (…) Der ganze Konflikt war ja nicht ruckzuck erledigt sondern zog sich hin, während immer mehr Fixer sich mit Aids ansteckten. Die Schweiz hatte Mitte der 80er Jahre die höchste HIV Ansteckungsrate in ganz Europa.“ (Vieli) Die intravenös Heroin- und Kokainkonsumierenden wurden als das bedrohliche Andere schlechthin identifiziert, das wie die Pest physisch eliminiert werden müsse, und die damals für das Spritzen-Abgabeverbot Argumentierenden kokettierten im persönlichen Umgang ganz offen damit, dass sich so dank HIV/AIDS das Problem bald ganz von selbst lösen würde. Dumm nur, dass sich unter den so Geanderten viele Söhnchen und Töchterchen von der reichen Goldküste befanden, deren Eltern über öffentliche Diskursmacht verfügten, was für Kistler letztlich unschön endete: „Kistler hätte höchstwahrscheinlich viele Todesfälle vermeiden können. Das hat ihn fast den Job gekostet und er ging so bald möglich in Pension.“ (Seidenberg in: Kantonsarzt Kistler hätte Tote vermeiden können. Infosperber, 14.3.2013)

2. Dualistische Kognition

„Like vertical cognition, this form also perceives physical, cultural or social realities in an incompatible, contradictory, and dichotomous manner. But this system, owing to its ideational orientation, seeks go keep contradictory realities in existence, because it sees various kinds of value in that. (…) the organizational logic of this cognitive system is called upon to organize these realities in a way that they remain totally separate from each other, having no practical contact with each other, and only enough intellectual contact to discern the differences, and the need to keep the different realities separate.“ (Wright: 60)
Nachdem das (gar nicht so still-)schweigende Ziel der physischen Vernichtung durch AIDS als unrealistisch sich erwies und die offenen Drogenszenen den Geldwert der umliegenden Liegenschaften zählbar zu vermindern begannen, wurden diese mit massiver Polizeigewalt geschlossen. Das neue, bis heute gültige Ziel war und ist, die Konsument*en voneinander zu isolieren und den Drogenhandel in Privatwohnungen zu verdrängen. Die Geanderten tauchen zwar noch ab und an im ÖV auf, wo dann die organisatorische Logik des dualistischen kognitiven Systems wunderbar sich beobachten lässt: Wer als Junkie gelesen wird, braucht keiner der berüchtigten „Gangsitzer“ zu sein, um im vollen Bus zwei Plätze zu belegen. Das kann je nach Tagesform einmal als verletzend empfunden werden, ein andermal als höhnischer Triumph, wenn die arme alte SVP-Dame am freien Sitz vorbei sich stolpernd durch den Gang (dt. Flur) kämpft, vor allem, wenn Umstehende das kognitives System, das da am Werke ist, genau erkennen…

3. Dominanz-Subordinations-Kognition

„The third system of White cognition is domination-subordination cognition. The latter, like the other two systems of cognition, looks upon reality in a contradictory and dichotomous manner, but not in a fully incompatible manner. Reasoning logic, aided by other components of the cognitive system, discerns realities in their contradictions and differences, but this cognitive system seeks to organize the contradictory and different aspects of realities in a domination-subordination relationship.“ (Wright: 61)
Die Schliessung der offenen Drogenszenen in Zürich wäre ohne eine weitere Änderung der Drogenpolitik wohl nur mit einer an Besatzung erinnernde Militarisierung der Polizeiarbeit praktikabel gewesen: Von Opiaten Schwerstabhängige werden nun in medizinischen Einrichtungen mit dem Stoff, wonach sie so sehr hungern, versorgt und betroit – die Slang-Schreibweise für „betreut“ bezeichnet das klare Bewusstsein der Betroiten darüber, dass es sich mit dieser Institution um die praktische Verwirklichung dieser spezifischen Dominanz-Subortinations-Kognition handelt: Im Begriff der Drogenkranken wird mensch als ganzer Mensch anerkannt und respektiert, als vernünftigen Gesprächen prinzipiell zugänglich behandelt, aber dennoch autoritär dominiert – ein Übel, mit dem mensch sich Ruhe vom unerträglichen Horror des Entzugs erkauft.

4. Dialektische Kognition

„The dialectical cognitive method also perceives reality as dichotomous and contradictory, with the contradictions acutely antagonistic toward each other. This cognitive method upon perceiving, by its functioning, the contradictory and antagonistic character of reality, pits the antagonistic elements in a fierce struggle with each other, so that one of the elements has to overcome and subdue the other and put the subdued aspect of reality in a subordinate position, whereby its reality is diminished by the absorbing activities of the dominant reality, which increases in size. This more or less makes the two different realities a single reality, from a process of synthesis (absorption), that will then find itself in an antagonistic relationship with another reality. This will lead to an overcoming process and another synthesis, which will lead to a new, synthetic reality that will interact with an opposite and antagonistic reality that will lead to an overcoming and synthesis – ad infinitum. (…) Dialectical cognition, like vertical cognition, seeks monism. But the approaches are different. Vertical cognition seeks monism, or a one-dimensional reality be excluding or eliminating an aspect of reality from a situation. Dialectical cognition seeks an essentially one-dimensional or monistic reality by bringing two aspects of reality into a domination-subordination relationship in which the dominant aspect enlarges itself at the expense of the subordinate aspect.“ (Wright: 61)
These, Antithese, Synthese: Drogenkonsument, Arzt, Dr. House. Das Beispiel muss fiktiv bleiben: Eine US-Fernsehserie über einen Arzt, aufgrund chronischer Schmerzen abhängig vom synthetischen Opiat-Medikament Vicodin (Hydrocodon), das ihm einerseits die Berufsausübung erst ermöglicht und andererseits durch die Nebenwirkungen gleichzeitig erschwert. Die sehr dramatische Folge Widerspiel thematisiert diese Dialektik direkt: „Cuddy hat veranlasst, dass der Chirurg House mit Ketamin behandelt, dies hat die Verbesserung des Zustandes seines Beins bewirkt. Dieser ist damit nicht einverstanden, da er die eventuell das Gehirn beeinflussende Ketaminbehandlung als Angriff auf seine Psyche betrachtet; er legt sich mit Cuddy und Wilson an und schlägt letzteren, als er plötzlich realisiert, dass er in seinem Krankenbett liegt und halluziniert. (…) House erwacht auf einer Rettungsliege, mit Schusswunden in Hals und Bauch; seine letzten Worte an Cameron sind, dass Cuddy veranlassen möge, ihn mit Ketamin zu behandeln.“ (Wikia) – genau das ist Wrights „ad infinitum“, in dem House gefangen bleibt, notwendig gefangen bleiben muss, bis zur allerletzten Folge Reichenbachfall, eine Befreiung aus der letztlich unerträglichen monistischen Realitätskonzeption ist innerhalb Weisser Kognition nur im (zumindest symbolischen) Tod möglich:
„In der Rahmenhandlung liegt House im Obergeschoss eines brennenden Hauses neben einer Leiche und halluziniert Gespräche mit toten Weggefährten (Kutner, Volakis). In Rückblenden behandelt House einen Drogenabhängigen was ihn dazu zwingt, sein eigenes Leben zu überdenken. (…) Durch verschiedene Hinweise kommen Foreman und Wilson darauf, wo House ist, erreichen das brennende Haus und sehen einen Umriss, der gerade auf die Tür zugeht, als eine Explosion das Haus in Schutt und Asche legt. Anhand der zahnärztlichen Akte wird die im Haus gefundene Leiche als House identifiziert. Während der Trauerfeier findet jeder der Anwesenden gute Worte über House, außer Wilson, der ihn als „Scheusal“ und „verbitterten Sadist[en]“ bezeichnet. Während dieser Tirade empfängt Wilson eine Nachricht auf seinem Handy: “Shut up, you idiot” (deutsch: „Halt die Klappe, Idiot“). (…) Wilson macht House ein paar Vorhaltungen, dass er nie wieder als Arzt arbeiten könne und sein Leben nie wieder wird aufnehmen können, freut sich aber sichtlich. In der finalen Szene sind Wilson und House auf Motorrädern im Land unterwegs.“ (Wikipedia)

Weisse Kognition zu „Multikulturalismus“

Der Artikel „Trügerische Toleranz“ von Matthias Heitmann (NZZ 17.2.2016, S.39) ist ein Paradebeispiel Weisser Kognition in Aktion. Zur Wiederholung: Wie mit einem Taschenrechner mit nur vier Grundrechenarten stehen Heitmann wirklich nur die grundlegenden vier Weissen Kognitionslogiken zur Verfügung:

1. „Seit der Silvesternacht gilt „Köln“ als Synonym für das Ende des politischen Multikulturalismus in Deutschland. (…) Die populäre Diagnose lautet: Einwanderer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum sind kaum integrierbar, schon gar nicht in grosser Anzahl.“ Simple vertikale Kognition, die Heitmann selbst zwar nicht teilt, aber darauf verweist, dass sie von Pegida und Co. ausgiebig gepflegt wird: „incompatible, contradictory, or dichotomous elements must go“ (Wright: 60).

2. „Auf der Ebene der politischen Zielsetzungen ist „Multikulti“ jedoch Ausdruck des Niedergangs linker Ideale: An die Stelle einer universalistischen Entwicklungsperspektive ist die defensive Ansicht getreten, man könne über die Betonung der Gleichwertigkeit aller Kulturen die Eindämmung der westlichen Dominanz erreichen. (…) Das gleichberechtigte Nebeneinander verschiedener – und auch archaischer und enorm rückschrittlicher – Kulturen gilt als Maximum des Möglichen.“ Multikulti als rein dualistische Kognition, „only enough intellectual contact to discern the differences, and the need to keep the different realities separate.“ (Wright: 60)

3. „Dabei wäre es gerade heute zwingend notwendig, offen und kontrovers über eine „Leitkultur“ zu reden, die ja durchaus aufgeklärte und sinnvolle Leitplanken für eine gelungene Integration definieren könnte. Doch alle Versuche, diese Diskussion zu führen, scheitern seit Jahren an der linken Verteufelung des Begriffes und an der rechten Unfähigkeit, Standards zu definieren, ohne dabei in ausgrenzende Reflexe zurückzufallen.“ Dominanz-Subortinations-Kognition, denn wer „führt“ die Diskussion, wer „definiert Leitplanken“? „This cognitive system seeks to organize the contradictory and different aspects of realities in a domination-subordination relationship.“ (Wright: 61)

4. „(…) in den USA populären Version des „Schmelztiegels“, die vom Verschmelzen der Kulturen ausgeht. (…)“ Die im Deutschen Bildungsbürgertum übliche Scheinübersetzung des „melting pot“, ähnlich sinnvoll wie „Fels‘n'Rollen“, wird nur als Stichwort gegeben, gegen Schluss spricht er von der „Idee einer progressiven, offenen und integrationsbereiten Leitkultur, wie man sie auch heute noch in grossen Metropolen wie New York, London oder Paris erspüren kann“ – und eben nicht in Mumbai (Bollywood) oder Lagos (Nollywood), denn es handelt sich um Weisse, daher letztlich monistische dialektische Kognition, die: „(…) put the subdued aspect of reality in a subordinate position, whereby its reality is diminished by the absorbing activities of the dominant reality, which increases in size.“ (Wright: 61)

Obwohl Heitmann zum Schluss beteuert: „Stattdessen arbeiten die Verfechter der Multikultur wie auch die Anhänger der Monokultur daran, Menschen entlang ihres vermeintlichen „kulturellen Erbes“ einzusortieren und zu kasernieren. Es wird Zeit, diese Dominanz der so missverstandenen Kultur zu durchbrechen.“ konterkariert er seine vorgebliche Intention mit der eben demonstrierten kulturspezifischen Limitation seiner kognitiven Möglichkeiten: „Was die beiden Pole des Meinungsspektrums eint, sind die Betonung der Prägekraft der Kultur und das Verneinen der menschlichen Fähigkeit, sich ebendieser Kraft zu entledigen.“

Monointeraktive Kognition

Wright führt den Begriff der monointeraktiven Kognition („monointeractive cognition“) in Abgrenzung zur monistischen Weissen Kognition ein als Voraussetzung zum Verständnis der diunitalen (Schwarzen) Kognition. Während monistische (Weisse) Kognition Einheit herzustellen versucht unter Ausschluss alles Nichtidentischen, beharrt monointeraktive Kognition auf einer irreduziblen Pluralität von Realitäten, die je ihre eigene Logik, ihre eigene Konsistenz, ihre eigene Daseinsberechtigung haben. So und nur so kann zuverlässig vernünftige Interaktion unter Individuen hergestellt werden: Das Ziel liegt darin, die eine Interaktion zwischen integral als Ganzes aufgefassten Menschen zu ermöglichen. Habermas‘ Diskursethik wäre zumindest theoretisch ein kleiner Schritt in diese Richtung: der eine als universal aufgefasste Diskurs kann dann zustande kommen, wenn die beteiligten Subjekte ihre jeweiligen Geltungsansprüche mitdenken und offenlegen: „Die volle Universalisierbarkeit wird erst erreicht, wenn die Perspektiven von allen direkt oder indirekt von der Norm Betroffenen in ihre Bestimmung mit eingehen und sie ihr zustimmen können.Im Vergleich zu einer monologischen Beurteilung der Normen ist entscheidend, dass jeder Einzelne seine individuelle Perspektive in den Diskurs ungezwungen einbringen kann.“ (Wikipedia).

Wrights Herleitung der monointeraktiven Kognition ist viel umfassender und letztlich auch theologisch gedacht: er führt die Methode und Denklogik zurück auf die Ideengeschichte der Altägyptischen Hochkulturen, die (von der weissgewaschenen Europäischen Geschichtsschreibung weitgehend ignoriert) von Ägypten aus über den Sudan (Kusch) während Jahrtausenden ins ganze Subsaharische Afrika diffundiert ist. Jan Assmann beschrieb die historische Sachlage so: „Die Totenreligion der alten Ägypter bedeutet den größten Triumph der menschlichen Imagination über die harten Fakten der Existenz. (…) Dabei steht für Assmann fest, dass keine andere Kultur bisher die altägyptischen Gegenbilder zu Sterben und Tod an Kühnheit und Farbigkeit übertroffen oder auch nur von ferne erreicht hätte. Entscheidend sei, dass sie die Erfahrung des Todes keineswegs verdrängen oder verleugnen, sondern ihr umfassend und schonungslos Ausdruck verleihen würden, um alternative Wege und Räume zu erschließen. So sollen viele der Sprüche dem Toten helfen, göttlich zu werden, ein Leben im Jenseits wie vorher im Diesseits führen zu können und sogar in die Beziehungen zwischen Göttern einzugreifen.“ (Behrang Samsami in einer Rezension auf literaturkritik.de). Die Welt der Lebenden, die Welt der Toten, die Welt der Menschen, die Welt der Götter interagieren konkret in der einen, umfassend gedachten Welt – genau das meint das „mono“ in „monointeraktiv“:
„Indeed, for the ancient Egyptions, reality or existence was comprised of dualities, such as the body and soul, good and evil, life and death, strong and weak, science and religion, this life and the afterlife. These dualities were constant, but they were not static, or simply parallel or oppositional to each other. The opposite elements, or dualities, owing to the movement of the universal life force, interacted with each other in a dialectical manner that saw the oppositional elements, at moments, transcend their opposition and duality and trough a synthesis or union become one, a oneness that was a small manifestation of the absolute oneness or absolute reality.“ (Wright: 65)

Diunitale Kognition

Wright leitet die Genese der diunitalen Kognition historisch ab aus der Geschichte der Sklaverei in den Amerikas: Während diese Menschen vom Kontinent ganz selbstverständlich die monointeraktive Kognition als psychologische Grundausstattung mitbrachten, wurden sie gewaltsam in eine Welt entführt, wo diese Logik null und nichts galt. Sie waren und sind umgeben von einer Welt, die von monistischer Weisser Kognition mit Wahrheitsmonopol bestimmt wird:
„Because of the way they were dominated an controlled in America, Blacks found themselves unable to do to Whites what Whites did to them. Whites could dominate and subordinate Blacks, but Blacks could not do that to them. (…) Blacks had to develop a new cognitive system, which had to be developed out of their monointeractive African heritage, their domination-subordination, exclusionary, and segregated (dualistic) interaction with Withes, out of the vast contradictor character of their life in America, and out of thier own needs and aspirations in the country.“ (Wright: 72)
„What Black Cognition did for Black people over their history in America was to make them a very conscious people. They had contradictions imposed upon them, and they had to be able to see these contradictions fully, or in their fullness. (…) But they had to have the cognitive means to do that, to be able to see and understand reality in its greater complexity or wholeness. This also became the preferred method of cognition. It made it possible to have a more critical perspective on reality, because more of it could be seen and understood and analyzed. There was greater knowledge and greater truth to be had.“ (Wright: 75)
Diunitale Kognition bezeichnet den gleichwertigen, gleichzeitigen Zugang zu Weisser, monistischer Kognition und monointeraktiver Kognition auf einer horizontalen Ebene: „Blacks were less aggressive toward reality; not out to dominate it, or to subdue it, or to control it – and certainly not like Whites. Blacks, owing to their method of cognition and other attributes, such as Blackcentrism ant the Blackcentric Perspective, were inclined to let reality, to let people, reveal themselves. Thus, quick judgements were not to be made about reality or about people. It was necessary to draw out as much information as possible and let things, or people, be revealed. Blacks have always been revelationists in America. This helped to inculcate a patience in them, with regard to realities and with people, especially white people – and with America.“ (Wright: 76)

Ein Beispiel aus der Arbeitshölle…

Weniger im Sinne von „das ist jetzt Schwarze Kognition“ (kann es auch nicht sein), sondern als ein weniger geandertes Denksystem das – ganz im Sinne des Psychoanalytikers und Theologen Eugen Drewermann – dem Kern westlicher Aufklärung entspringt und dennoch die Interaktion einer sichtbaren Welt (konkretes soziales Handeln) und einer unsichtbaren Welt (psychische Phänomene wie Übertragung) dem ansonsten blinden Weissen Denken zugänglich machen kann.

Personal
  • 666 (kokettiert offen mit der Zahl als Selbstbezeichnung), Inhaber und Geschäftsführer, ein Klon des aus Dilbert bekannten „pointy haired boss“.
  • Kaninchen, gemäss Peters-Prinzip zur Abteilungsleiterin Backoffice „nach oben gefallen“, nachdem innert kurzer Zeit alle ausser ihr wegen inakzeptablen Vorgesetztenverhaltens gekündigt hatten. Geniesst bedingungslose Protektion durch 666.
  • Gewöhnliches Personal, wer kann, kündigt. Genau aus diesem Grund stellt 666 strategisch intersektionell Benachteiligte an, die nicht einfach kündigen können, dafür von 666 umso besser erbarmungslos niedergemobbt werden können.

Situation: Erneut hat die Hälfte des Backoffice-Personals aus genannten Gründen gekündigt. Schlussfolgerung von 666: diese Leute haben ein Problem. Es ist keinerlei Übergabe des spezifischen Know-how an Kaninchen erfolgt. Schlussfolgerung 666: Diese Leute waren das Problem und sind persönlich schuld an stockenden Betriebsabläufen. Soweit die eine, allein handlungsbestimmende und wirkmächtige firmeninterne Realität.
Doch küchentischpsychoanalytisch ist gleichzeitig eine zweite Realität am Werk: Eine Kollegin aus der ersten grossen Kündigungsrunde wies im vertraulichen Gespräch darauf hin, dass 666 sehr unter der Knute seiner energetischen Frau leide und ihr komplett hörig sei. Einem neueren Kollegen entfuhr, nachdem ich ihn auf Kaninchens Status als persönliche Protegée von 666 trotz (bzw. dank) erwiesener Unfähigkeit hinwies: „Ist das seine Frau, oder was?“
Die rhetorische Antwort lautet natürlich: „Ja.“ Es findet eine Übertragung statt, und Kaninchen nutzt diesen Umstand rücksichtslos zu ihrem Vorteil aus. Sie profitiert davon, ihre Untertanen in der Abteilung ständig bei 666 zu verpetzen und suhlt sich in ihrer Rolle als dominante Ehefrau von 666 im Betrieb. Ihr seit frühester Kindheit antrainiertes entwaffnend-engelssüsses Dauerlächeln ist ihre Stahlmaske im täglichen Arbeitskampf gegen ihre Kolleg*en – sooo unschuldig süss lächelt sie dich an – und kaum drehst du ihr den Rücken zu, steckt ihr Messer schon darin.
Diese zweite, parallel handlungsbestimmende Realität ist einerseits für einigermassen erwachsene Menschen offensichtlich, andererseits betrieblich gänzlich unkommunizierbar, schon eine dezente Andeutung wäre ein juristisch haltbarer Grund für eine fristlose Kündigung – mit entsprechenden finanziellen und sozialen Folgen für die Betroffenen. In der Mobbingforschung gilt so eine Situation als generell unlösbar: Die einzige gesellschaftlich zugelassene Kognitionslogik zur Situation ist die Weisse, monistische Kognition des dominanten 666-Kaninchen-Pärchens. Monointeraktive Kognition würde sich ganz selbstverständlich in mehreren Realitäten bewegen und einen Ausgleich suchen, diunitale Kognition unterscheidet zwischen gesellschaftlich dominanter hierarchischer Arbeitsorganisation („flache Hierarchien“ nennt sich das heute) und in diesem Fall kaputter, manipulativer Familienpsychologie, Realitäten, die in demselben Raum und zur selben Zeit miteinander interagieren. Diese Interaktion wäre sozial kommunizierbar zu machen und eben nicht generell „inakzeptabel“. Genau wie in der Psychoanalyse gelten beide Realitäten als in sich logisch, in sich wahr, und sie interagieren horizontal miteinander, es gibt keine rationalen Gründe, warum die eine dominant, also objektiv vernünftig und wahr, die andere ganz selbstverständlich subaltern, also unvernünftig, unwahr, mit der ultimativen Strafe: „one of these incompatible, contradictory, or dichotomous elements must go.“ (Wright: 60) belegt sein sollte.
Natürlich gibt es in der modernen Betriebswirtschaftslehre und deren „human resources speech“ den Begriff „ganzheitlicher“ Betrachtungsweise, doch gegenüber Wrights Begriff des „wholeness thinking, or holistic thinking“ (Wright: 66) ist das in er konkreten sozialen Praxis reiner Betrug: Mensch solle nicht nur das eigene egoistische Wohlergehen, sondern gleichberechtigt immer das Wohlergehen der ganzen Firma im Auge behalten, mensch solle gehäufte Krankheitsabwesenheiten nicht einfach als individuelle Ereignisse sehen, sondern die Betroffenen als ganzheitliche Menschen auffassen und ihnen deshalb im Wiederholungsfalle psychologische Betroiung in Form eines weisungsberechtigten „case managers“ der Krankentaggeldversicherung zur Seite stellen – es ist innerhalb der gesellschaftlich hegemonialen monistischen Weissen Kognition, nichts, aber auch gar nichts möglich in Richtung Fortschritt, nur schon Verbesserung oder gar Aufhebung verhängnisvoller Dynamiken – wie mit dem zitierten Taschenrechner mit nur den vier Grundrechenarten. Das universelle Versprechen diunitaler Kognition ist metaphorisch gesprochen die Herausbildung eines Taschenrechners mit symbolischer Algebra (CAS) als soziales Allgemeingut. Sicherlich, das macht das Leben zunächst komplizierter – aber es kann Probleme lösbar machen, an denen mensch sonst ausweglos scheitern muss, wie beim endlosen numerischen Rumpröbeln auf dem simplen Taschenrechner.

… und ein Lichtblick

Der Artikel „Freuds Rache“ (Titel der Printausgabe) von Oliver Burkemann im Freitag vom 21.1. 2016 weist in diese Richtung: „Lang sah es so aus, als habe die Psychoanalyse den Kampf gegen die Verhaltenstherapie verloren. Doch nun könnte sie ein Comeback feiern.“ (S.6) „Die Psychoanalyse sieht die Dinge viel komplizierter. Als Erstes gelte es, seelische Leiden nicht zu beseitigen, sondern sie zu verstehen. Aus dieser Perspektive ist eine Depression weniger wie ein Tumor, eher wie ein stechender Bauchschmerz – der sagt uns etwas, und wir müssen herausfinden, was. Auch mit dem Glück ist es nicht so einfach, denn wir kennen uns selbst nicht besonders gut. (…) Unsere Wünsche sind zutiefst widersprüchlich, unser Bewusstsein ist nur eine kleine Insel in einem dunklen Ozean.“(S.6) „Aber auch der Schluss, dass wir schlicht nicht wissen, welche Therapie am besten wirkt, ist bereits ein Sieg für Freud und seine Nachfolger. Denn die Psychoanalyse verkörpert ja gerade die ehrfürchtige Demut vor den Rätseln unseres Verstandes. (…) Sigmund Freud als Mensch mag zur Überheblichkeit geneigt haben. Doch er hinterliess uns die Mahnung, wir sollte nicht glauben, dass wir wissen können, was in uns vor sich geht. Zumal wir oft mit aller Kraft versuchen, uns die Unwissenheit zu erhalten – weil die Wahrheiten, die sonst ans Licht kämen, uns verstören würden.“ (S.7)

Literatur

Wright, W D.: Black intellectuals, Black cognition, and a Black aesthetic. Praeger Publishers, Westport CT, 1997