Ergänzung zum toitschen Karneval bei dame.von.welt

Kann den Erörterungen auf https://dvwelt.wordpress.com/2019/03/04/ich-als-unschuldige-frau/ nur beipflichten. Wie eine Antiutopie im Sinn- und Bedeutungssystem des Candomblé kürzlich auf arte die Doku «Alles Karneval» aus Salvador da Bahia:

https://www.arte.tv/de/videos/053916-000-A/alles-karneval/

Arany von der Ilê Aiyê bringt die Sache gleich zu Beginn auf den Punkt: „Als ich jung war, da nahmen farbige Tucada-Gruppen und Samba-Schulen noch nicht am Karneval in Bahia teil, den der, der war Weiss. Wir haben den Karneval in unseren Vierteln gefeiert, aber 1975 wagten sich Ilê Aiyê zum ersten mal ins Zentrum vor und schlossen sich einfach dem Weissen Karneval an. Die Gruppe, ausschliesslich junge Schwarze, stammten aus dem Stadtteil Liberdade, in dem die Bevölkerung hauptsächlich Schwarz ist. Wir wurden ausgepfiffen. Die Polizei ging direkt neben uns. Das war ja noch zu Zeiten der Militärdiktatur. Die Zeitungen der Stadt kritisierten uns scharf. Sie schrieben, im Bundesstaat Bahia herrsche eine grosse Demokratie der sogenannten Rassen, und wir würden den Karneval für eine rassistische Aktion ausnutzen. Aber so war das nicht. Wir wollten einfach unsere Wurzeln feiern. Mutter Afrika und unsere Kultur – sonst nichts.“ Voilà der von Seiten pi-news.net wie redaktion-bahamas.org oder auch dem NZZ-Feuilleton bauernschlau und ad nauseam wiederholte Rassismusvorwurf an alles Nichtweisse im Original.

Die bei dame.von.welt erläuterte Tradition des «Nubbelverbrennens» war mir bis dato unbekannt, nicht aber das vormoderne katholische Original des «Bwile Jwif» (kreol., frz. «brûler juif»), das sich in ländlichen Gegenden von Haiti offenbar ganz unverfroren lebendig gehalten hat: «I looked up and noticed a straw dummy sitting on the roof of the house across the street. It was a “Jew”. He was sitting in a chair in the open air, on top of this one-story tin-roofed house. Made of straw and dressed in blue jeans, a shirt, suit jacket, and sneakers, this “Jew” wore a tie and had a pen sticking out of his shirt pocket. His legs were crossed, and over them sat what looked to be a laptop computer fashioned out of cardboard. A cord seemed to run from the computer down into a briefcase that sat by his chair.» (S. 83) Nach Komplimenten für die schöne Puppe erklärte der «mèt Jwif-la» (der Besitzer): «“Oh yes, we leave it up for the Rara band to pass by. Tomorrow afternoon we’ll burn it,” he said. ”Aha … well … great …” said my research partners an I, flaring our eyes at each other. I guess nobody told the guy that Jean-Claude Duvalier banned the practice in the 1970s, around the time of a rush of tourism and foreign industrial investment. I bet other people still do it, here and there.» (S. 83) Soviel zur nützlichen Fiktion des «christlich-jüdischen Abendlandes» von Seiten der C-Parteien und pi-news.net oder auch der aktuellen Ausgabe der Bahamas.

Quelle

Elizabeth A. McAlister: The „Jew“ in the Haitian Imagination. Pre-Modern Anti-Judaism in the Post-Modern Caribbean. In:
Claudine Michel, Patrick Bellegarde-Smith (Ed.): Invisible Powers. Vodou in Haitian Life and Culture. Palgrave Macmillan, New York 2006.


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