Tatort-Star Joe Bausch entlarvt „Gewaltforscher“ Jörg Baberowski

Der auf dem Kölner-Sylvesternacht-“es wird ungemütlich bei uns“-Ticket vortragsreisende Historiker und „Gewaltforscher“ Jörg Baberowski wurde in der Schweizer TV-Sendung Sternstunde Philosophie vom 11.9.2016 von Tatort-Star und Gefängnisarzt Joe Bausch auf subtile Weise faktisch entlarvt als kausale Ursache des Problems, das er zu bekämpfen vorgibt. Bausch unterliess es in seiner ruhigen Art, den offensichtlich verdrängt unter dauerempörter Überspannung leidenden Baberowski auf seinem wissenschaftlich hochautoritär präsentierten Theorie-Fachgebiet zu widerlegen – das sei zunächst nachgeholt.

Baberowski beruft sich auf den Deutschen soziologischen Systemtheoretiker Niklas Luhmann und predigt die konsequente Realisierung des juristisch verbrieften Deutschen staatlichen Gewaltmonopols als Königsweg zur Lösung gesellschaftlicher Gewaltprobleme. Nur so sei ein Zustand zu gewährleisten, wo sich begegnende Menschen sich „höflich nicht beachten“ und daher frei sein könnten, denn nur so bestünde subjektiv die Sicherheit, dass im Gefahrenfall immer und sofort jemand eingreifen würde. Diese subjektive Imagination von Sicherheit wurde durch die mediale Dauer-Imagination des Kölner Muselmobs unter tatkräftiger Mithilfe von Baberowski selbst tatsächlich systematisch in Frage gestellt.

Das Problem beginnt damit, dass Baberowski auf Luhmann sich beruft, tatsächlich aber das Denken des US-amerikanischen soziologischen Systemtheorie-Klassikers Talcott Parsons praktiziert. Luhmanns gesamtes Werk richtet sich gegen den als „alteuropäisch“ und letztlich metaphysisch bezeichneten Strukturfunktionalismus Parsons‘, welcher soziale Strukturen a priori und damit quasi-gottgleich als gegeben voraussetzt und daraus normativ auf die Funktion von Individuen innerhalb dieser Strukturen schliesst. Demgegenüber setzte Luhmann seinen Funktional-Strukturalismus, der die Funktion als Prämisse setzt und daraus auf die Strukturen schliesst, die diese Funktion gewährleisten können. Die konkrete Struktur wird damit „kontingent“, d.h. durch andere funktionale Äquivalente ersetzbar und kann nicht mehr a priori als Erkenntnisinstrument vorausgesetzt werden, sondern wird selbst zum Forschungsgegenstand.

Basierend auf Pasrons‘ strukturfunktionalistischen Prämisse wiederholt Baberowski andauernd das „Gewaltmonopol“, das jetzt staatlich durchgesetzt werden müsse – aber als vorausgesetzte logische Prämisse wird ebendieses „Gewaltmonopol“ der Analyse unzugänglich und letztlich ein Gewaltfetisch. Auch im in Baberowski Imagination idealen aufgeklärten Deutschen Staat gibt es nämlich mitnichten ein tatsächliches „Monopol“ auf „Gewalt“: Schon die früher als „Keimzelle des Staates“ bezeichnete bürgerliche Kleinfamilie konstituiert juristisch sanktioniert auch ein Gewaltverhältnis: Die elterliche Erziehungsgewalt beinhaltet die juristische Lizenz zur Ausübung von dem, was unter Erwachsenen im Minimum als Nötigung polizeilich und juristisch sanktioniert würde. Kurz und prägnant formuliert beim Kinderschutz NRW: „Erziehungsgewalt und Misshandlung unterscheiden sich im Hinblick auf den Schweregrad und die Motivation der Gewalttätigkeit gegenüber Kindern.“

Das „Monopol“ in Baberowskis „Gewaltmonopol“ bezieht sich in Tat und Wahrheit ausschliesslich auf die völlige Entgrenzung von Gewalt, auf den Gewaltexzess, auf den nach oben offenen „Schweregrad“. Fäuste, Knüppel, Taser, Langgewehre, Panzerfahrzeuge, Bundeswehr im Innern: der Fluchtpunkt des Gewaltmonopols ist logisch zwingend die Atombombe als die Reductio ad absurdum des irgendwie noch als nützlich denkbaren Gewaltexzesses, doch dieser ins Unendliche verlängerte Fluchtpunkt bleibt logisch notwendig, um die universalistische Fiktion eines Gewaltmonopols aufrechtzuerhalten.

Natürlich kann Baberowski nicht offen für die als Fluchtpunkt logisch notwendige Option des Einsatzes taktischer Atombomben zur Befriedung von Problemvierteln argumentieren, daher wiegelt er sein drohendes „unter allen Umständen überall durchzusetzen“, „auf welche Weise auch immer“ rhetorisch ab mit der logisch widersprechenden und also leeren Behauptung: „Das heisst nicht, dass irgendwo martialisch aufgerüstet wird.“ Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Ebenso lässt er keinen Zweifel daran, dass er sich selbst biologisch als „testosterongesteuertes, aufgepumptes“ Idealbild von einem echten Manne „so wie wir“ sieht, welches sein natürliches „Dominanzstreben“ aber in Abgrenzung zu seinem spiegelsymmetrischen Negativ, dem Muselmann an sich, „mit der Kraft des Argumentes“ auslebt – der Widerspruch, dass er für sein ach so zivilisiert sublimiertes Dominanzstreben zwecks Sieg auf die Symbiose mit dem sprichwörtlichen testosterongesteuerten, aufgepumpten Deutschen Armee-Stinkstiefel angewiesen ist, bleibt für ihn selbst auch dann gänzlich undenkbar, wenn Boesch ihn offen darauf hinweist.

Genauso undenkbar bleibt ihm, dass sein Habitus selbst ein Akt der Aggression darstellen könnte, verursacht durch die Angst um seine prekäre Männlichkeit, die er verzweifelt zu verteidigen versucht. Undenkbar bleibt ihm, dass sein Ruf nach dem imaginären grossen Bruder als Reaktion auf sein ängstliches Erschrecken vor dem alter ego, dem Anderen Manne in seinem Bild des Muselmannes, logisch notwendig nur eine nach oben offene Aggressionsspirale bis zum Endsieg in Gang setzten kann. Undenkbar bleibt ihm Boeschs praxiserprobtem Vorschlag, zusammen mit dem eben nicht zu verbergenden Erschrecken vor unter Umständen legitimem Verteidigungsverhalten „einen Schritt zurückzuweichen“ und ergebnisoffen, aber entschieden fordernd zu fragen „Hey, was ist los?“ – und so Simmels generalisierte „höfliche Nichtbeachtung“ aufrechtzuerhalten.

Undenkbar bleibt ihm, zum Teil der Lösung zu werden, anstatt Teil des Problems zu bleiben.

O-Ton

Baberowski (34:25) – Der Gewaltexzess auf eingebildete Gefühle als Programm:

Wenn man nicht imstande ist, das staatliche Gewaltmonopol unter allen Umständen überall durchzusetzen, na, dann erzeugt man auch in einer Gesellschaft, die das bisher nicht hatte, und das gibt es ja, wir können das ja nicht wegreden, in manchen, äh, Regionen, Stadtvierteln in Deutschland so ein Unsicherheitsgefühl, und wenn ein Unsicherheitsgefühl auftritt, ob es eingebildet ist oder tatsächlich, es spielt keine Rolle, Menschen, die sich’s einbilden, haben es dann auch, das Unsicherheitsgefühl, dem kann man nur begegnen, indem man einen Raum schafft, in dem man, wie der Soziologe Simmel das gesagt hat, sich mit höflicher Nichtbeachtung begegnen kann, es müssen sich nicht alle integrieren, es müssen nicht alle so leben, wie ich das will, aber was gelingen muss, ist, dass wir uns mit höflicher Nichtbeachtung im Alltag begegenen können. Und dafür ist Voraussetzung sine qua non, das staatliche Gewaltmonopol, dass es durchgesetzt werden kann. Das heisst nicht, dass irgendwo martialisch aufgerüstet wird, das heisst nur, dass wenn Regeln übertreten werden kann ich ganz sicher sein als Bürger, ich kann ganz sicher sein, dass das sanktioniert wird – auf welche Weise auch immer.

Boesch (36:54) – Zum „Gewaltmonopol“ und Vertrauen in Afghanistan

Was mir nicht gefallen hat in dem was Sie gesagt haben, dass diese Menschen, die ich beispielsweise in Afghanistan erlebt habe, ich war auch vor einigen Jahren dort, zum ersten mal nach dreissig Jahren wieder nach dem Krieg, und ich hab gesehen, wie die Menschen sich verändert haben, zum Thema Vertrauen: Als ich das erste mal da war, hat der Afghane mir gesagt, Sie parken Ihren VW-Bus bei mir, ich werde mit meinem Leben stehe ich dafür, dass Sie, Gastrecht – und ich konnte beruhigt in meine VW-Bus schlafen. Heute würde ich das nicht mehr tun, denn heute misstraut einem den anderen, sie haben über vierzig Jahre sich gegenseitig mit Wonne umgebracht. Aber es ist nicht so, dass diese Menschen, die hierherkommen, sagen, wir , die erleben dort regelmässig, was Gewalt, was das Sanktionieren von, was Gewaltmonopol bedeutet. Nur, sie haben natürlich Verschiedene, der eine hat das in der Nähe, ja, also es gibt verschiedene konkurrierende Systeme, die um das Gewaltmonopol Staat konkurrieren. Aber sie machen alle viel heftigere Erfahrungen mit Gewalt als wir uns das jemals hier vorstellen könnten. Und ist insofern diese Behauptung, äh, dass diese, die brauchen sozusagen eine bessere Struktur, die noch mehr als wir, das glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass wir weniger aufgerüstet haben.

Baberowski (46:12) – Sein einziges Argument in Gänze zusammengefasst

Und man muss tatsächlich sagen, da muss ich Ihnen [dem Moderator] zustimmen, das wollen Männer auch. Es gibt auch Männer, die das wollen, Männer wollen nicht häkeln. Sondern sie wollen, äh. Männer sein.

Moderator: Aber das heisst doch dann auch, immer gewalttätig. So wie Sie das jetzt darstellen, gibt es eine sozusagen interne Verbindung zwischen Gewaltanwendung und Männlichkeit.

Baberowski: Ja, aber Sie unterstellen ja, dass sozusagen es wünschenswert sei, dass Gewalt aus unserem Leben verschwindet, aber ich denke, wir müssen uns damit abfinden, dass es Gewalt gibt, wir alle können gewalttätig werden, wir können uns jede Gewalttat vorstellen, wir haben Aggressionen, wir haben zwei Fäuste, wir können Waffen bedienen, das können wir alles. Also Ihr Argument lebt ja nur von der Prämisse, eigentlich ist die Gewalt irgendwie etwas Schlechtes, es ist eine Abweichung im menschlichen Verhalten, eigentlich muss die weg. Und wie kriegen wir die weg? Wir kriegen sie weg indem man den Mann zivilisiert. Ich glaube, dass ist eine Illusion, ich finde es interessanter, darüber nachzudenken, wie man die Verhältnisse systematisch so einrichten kann, dass Männer … sozusagen ihre, ihr Dominanzbestreben anders ausleben können, das meine ich damit, dass man in Vierteln, in denen testosterongesteuerte, aufgepumpte Männer für Ordnung sorgen, dass da man den Staat äh öh reinschickt. Das hat ja dazu geführt, dass in unseren Gesellschaften, Männer so wie wir, mit der Kraft des Argumentes uns auseinandersetzen können und uns nicht mit der Faust, oder mit Gewalt durchsetzen müssen. Wären wir jetzt in einem anderen Kontext, in dem es kein staatliches Gewaltmonopol gäbe, wo die Welt durch die Blutrache strukturiert würde, müssten wir als Männer anders auftreten. Das ist einfach mal ein Faktum. Und deshalb glaube ich hat das staatliche Gewaltmonopol natürlich dazu geführt, dass Staaten ihre Bürger versklave konnten, Beispiel Nationalsozialismus, Stalinismus. Aber es hat auch seit dem 19. Jh. dazu geführt, dass Räume, Sicherungsräume geschaffen wurden, in denen wir uns so zivilisiert einander begegnen können.

Boesch (47:56)- Der Widerspruch

Aber jetzt ist das so ein bisschen widersprüchlich, weil Sie sagten, wir haben es geschafft, kraft unserer Argumentation zu überzeugen. Und plötzlich hören wir auf, daran zu glauben, dass Argumente überzeugen und sagen, es muss eigentlich einen Raum geben, in dem wenn keine Argumente mehr helfen, dann muss halt einer da stehen mit dem Schild oder dem Knüppel oder so.

Boesch (49:39) – Aggression und Deeskalation

Aber noch ein Argument zur Aggression, weil wir sagten, die Aggression ist männlich. Alles spricht ein Stück weit dafür, aber Aggression ist immer auch, eh, sag ich mal, geschichtlich in der Entwicklung des Menschen etwas gewesen, wenn er etwas verteidigt. Normalerweise, wenn er etwas verteidigen wollte, ja, an dem ihm etwas lag. Dann hat der das gezeigt, dieses Verhalten. Es gibt keinen Trieb, keinen Aggressionstrieb, all das taugt nicht und ist mittlerweile wissenschaftlich auch widerlegt. Sondern in dem Moment, wo er für etwas kämpft, an dem ihm etwas liegt, es ist normalerweise ein kommunikatives Ding, wenn einer äh, soo nen Hals hat, soo ne Bürste kriegt [gestikuliert mit Händen und Gesicht], dann muss man mit ihm reden, so, hey, was ist los. Aber unter kontrollierten Bedingungen, wer sagt, dann darf nicht diese Reaktion mich schrecken, wenn ich jedes mal erschrecke, wenn einer das tut, was er tun sollte, was nachvollziehbar ist, aber wenn ich dann sage „huch, der erschreckt mich aber, da muss aber jetzt, da muss einer kommen und sozusagen bedeutet, lass das bitte sein“ dann haben wir ein Problem.
[Moderator unterbricht ihn und lenkt aufs Frauenthema]

Sternstunde Philosophie: Ist das Böse männlich? Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

http://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-philosophie/ist-das-boese-maennlich


0 Antworten auf „Tatort-Star Joe Bausch entlarvt „Gewaltforscher“ Jörg Baberowski“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei − = eins