1. Blitz the Ambassador: „Diasporadical Trilogía“

„I love making Music but the reason I focused on Film lately is black people lack beautiful images of themselves globally. That is a crime.“ (Blitz the Ambassador)

Als „Diasporadical Trilogía“ richten sich die drei Kunstfilme des „Botschafters“ (wie im Übrigen auch Afropop Worldwide) ausdrücklich an die Globale Subsaharische Diaspora, weitergehende Rezeption ist sekundärer Kollateralgewinn in einer sich kreolisierenden Menschenwelt. Augefnommen wurden sie in Accra (Ghana), New York (USA) und in Salvador, Bahia (Brasilien).

Juju Girl

Blitz lacht sich in der Musikbar eine Schöne an, quatscht ihr im Taxi die Ohren voll, bis sie draussen die Geistliche Musik vernimmt, wovon alles herkommt – sie springt aus dem Taxi, schliesst hinter sich die Türe ab, er versucht ihr zu folgen, Traumzeit, schon ist es Morgen, eine traditionelle Zeremonie am atlantischen Ozean, wie ein Fisch im Wasser tanzt sie an dem Ort, wo daheim ist, Ginen* – und nach einer gefühlten Ewigkeit erreicht auch Blitz den Strand, doch alles ist schon vorbei, fast als sei nichts gewesen – doch er findet einen Pwen**, den sie zu seinen Handen liegen liess.

*Ginen: A word with many meanings that can refer to the lwa, the dwelling place of the lwa, the servants of the lwa, and the afterlife paradise where the souls of Vodouists return. It generally refers broadly to Africa. (…) Ginen refers to precolonial African spiritual roots and to people who work to preserve African culture and traditions. (…) (Hebblethwaite: 239)

**Pwen: A point, a tangible or intangible Vodou charm used for good effects. A pwen can also refer to a contract between a human and a lwa. Pwen is a concentration of spiritual power, and it is a spiritual gift. (Hebblethwaite: 281)

Shine

Vater und Töchterchen an der Bushaltestelle, Vater wird von Cops mit der Drohung, gleich beide zu entführen, dazu erpresst, andere zu denunzieren. Das Auto fährt weg, Töchterchen muss ganz allen nach Haus, doch in der U-Bahn ist sie plötzlich in Begleitung, die sie behütet und führt: „…a mèt tet, master of the head. (…) To a certain extent the personality of the individual human being mirrors that of his or her mèt tet. (…) In addition to a mèt tet, each individual has a smaller number of other spirits, usually two or three, from whom he or she receives special protection.“ (McCarthy Brown: 10). Wie ein Spiegelbild tanzt Töchterchen die Choreographie der Begleiter*in aus dem Reich der Unsichtbaren – und bricht vor dem Auto erschöpft zusammen. Vater kann aussteigen, nimmt sie auf und trägt mit ihr die Last der ganzen Welt auf seinen Atlas-Schultern.

Running

Ein Hochzeitstanz, eine Priesterin liest einen verletzten Engel auf, mit sicherer Hand pflegt sie ihn gesund, zwei Abrissbirnen in Sachen Gentrifizierung stehen mit schwerem Gerät an der Tür, erblicken die Zwillinge (ibeji in Yoruba, Marassa in Kreyol) – wir sehen nicht, was die Behelmten gesehen, doch entsetzt rennen sie davon, weg, nur weg – und treffen auf die Hochzeit, werden mit einem Blick fixiert – dieses unerträgliche, nicht enden wollende Stille, worin der Elefant realisiert, dass er eben das Porzellangestell hat umgeschmissen:

Quellen

Hebblethwaite, Benjamin: Vodou Songs in Haitian Creole and English – Chante Vodou an kreyòl aysyen ak angle. Temple University Press, Philadelphia 2012.

McCarthy Brown, Karen: Afro-Caribbean Spirituality: A Haitian Case Study.
In: Claudine, Michel, Bellegarde-Smith Patrick: Invisible Powers, Vodou in Haitian Life and Culture. Palgrive/MacMillan, New York 2006

Teil 2: Kontext >>


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