Polyrhythmus? Selbstverständlich!

Die Diskussion um das Stichwort Polyrhythmus bei metalust erschien mir damals ein wenig als Rätselraten. Später empfahl mir youtube aufgrund der Browser-Cookies JAC‘S – und bescherte mir überraschend einen „This is it!“-Moment in Sachen Polyrhythmus.

Als Vorbereitung zunächst die Mathe: Ein Polyrhythmus ist die gleichzeitige Überlagerung mehrerer Zählweisen im Takt, ein einfacher Fall ist 6:4, hier in euklidischer Notation, doppeltes Tempo empfohlen („Zahnrädchen“-Einstellungen rechts unten->Geschwindigkeit->2):

Im Lehrbeispiel dominieren die 6/8, in den zwei Lektionen direkt aus Madagaskar tendenziell die 4/4, doch die Unbestimmtheit ist gerade der springende Punkt des Spiels. Zur Wiederholung: nicht die schnellen Breaks und Tempowechsel machen den Polyrhythmus, sondern die gleichzeitige Überlagerung. Einfach versuchen, die 1 zu finden und von dort mit den Fingern zu zählen, einmal die 1-2-3-4, einmal die 1-2-3-4-5-6 isolieren, hören und staunen. Ohne Gleichzeitigkeit entflieht zwar jeweils die andere Zählweise, aber irgendwo muss mensch ja anfangen, wir mitteleuropäischen Kartoffelsäcke (Sekunde 0:12 im ersten Video) sind kulturell halt einfach zu primitiv, zu wenig diunital…

Und genau diesen Umstand zelebriert JAC‘S genüsslich im offenen Zitieren der vor Jahren aus der Eurosport-Dauerwerbung bekannten Zumba-Fitness-Ästhetik. Kennen wir doch – und kennen wir doch nicht, fallen aus dem Takt, sind verwirrt und vielleicht gar ein wenig neidisch auf die Selbstverständlichkeit, wie in Madagaskar Kawitry-Party gemacht wird, so und genau so:

Lektion 1, à suivre

Die eingeblendeten Links sind www.alefamusic.net und gasymix.com.

Lesson number two

Süss (bei 2:10) die Sorte Kartoffel, die eben doch drauf anspricht…

Tradition und Moderne

Noch was Ethnomusikologisches: In einem Interview für Afropop Worldwide bezeichnet der bekannte Tsapiky-Musiker Damily aus Tulear (vom andern Ende der Insel) den ternären (3/4) Takt als traditionell, den binären (2/4) Takt jedoch als nicht wirklich traditionell, sondern beeinflusst von moderner afrikanischer Musik (ab 3:32):


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